Schmuckstücke des Meeres

erstellt am: 23.09.2012 | von: h.quadt | Kategorie(n): Allgemein, Reisen
Schmuckstück aus dem Meer

Ich liege am Strand und lausche den Wellen, die wie einem Mantra gleich, immer wieder auf den Strand laufen. Ein aufbrausendes lautes Geräusch. Aber keines das stört, eher das Gegenteil, es beruhigt mich und meinen Verstand, der sich immer wieder mit seinen Gedanken aufdrängt. Ich gehe schwimmen und kuschel mich anschließend in den Liegestuhl. Dann wird gelesen, weil dafür zuhause nicht genügend Zeit ist und lesen gehört zu einem Urlaub genauso  dazu, wie gutes Essen. Entspannung pur. Und im Hintergrund das Rauschen des Meeres.

Nachdem ich ein paar Tage so ausgespannt habe, bekomme ich Lust auf etwas Abwechslung . Es gibt nichts schöneres wie Strandspaziergänge. Ich  laufe leicht bekleidet, mit den Füßen im Wasser, die warmen Sonnenstrahlen auf dem Körper spürend und den Wind in den Haaren,  stundenlang am Strand entlang.

Während zunächst der Blick in die Ferne gerichtet ist, geschieht es nach einiger Zeit, das ich den Boden unter den Füßen wahrnehme und  kleine Schmuckstücke des Meeres entdecke, die Muscheln, oder wenn man viel Glück hat, leere Schneckenhäuser von Meeresschnecken,  oft irrtümlicher Weise auch als Muscheln bezeichnet.

Und dann kommt der Moment, wo ich anfange, die eine oder andere aufzuheben und eine kleine Sammlung anzulegen. An einem der Strandtage kommt ein alter Mann daher. Er fällt durch sein Aussehen auf. Sein Gesicht ist braungebrannt und faltig. Er trägt ein gestreiftes T-Shirt. Sofort kommt mir Picasso in den Kopf. Der war ähnlich gekleidet, wenn er früher Strandspaziergänge mit seiner Familie unternahm. Dieser alte Mann macht aber keinen Spaziergang, sondern er sucht unter den Urlaubern Käufer für seine Muscheln, die in einem Korb liegen. Außerdem hat er noch ein Netz mit Schwämmen über die Schulter geworfen.

Die Muscheln interessieren mich. Vor allem die türkis-blauen. Ich gehe auf den alten Mann zu, der seinen Korb inzwischen abgestellt hat. Ein junges Paar gesellt sich zu ihm. Sie sprechen griechisch. Ich frage den alten Mann , woher die Muscheln stammen, darauf wechselt der junge Mann neben ihm, in perfektes Deutsch über. Er erklärt mir, das die Muscheln von der Insel Kalymnos stammen, und aus großer Tiefe aus dem Meer geholt werden, was für die Taucher nicht ganz ungefährlich sei. Das hört sich dramatisch an, aber inzwischen weiß ich auch, dass das Tauchen nach Schwämmen ein harte Arbeit ist, und mit Risiken verbunden, auch wenn heute moderne Tauchausrüstung zum Einsatz kommt.

Ich suche die schönste, der grünen Muscheln aus dem Korb heraus, und zahle den Preis, den der alte Mann verlangt. Es ist nicht wenig. Was ist die Muschel wert? Ich weiß es nicht. Was ist sie mir wert ? Ich will sie haben. Was ist die Arbeit eines Tauchers wert, der sie aus dem Meer holt? Nicht zu vergessen, der alte Mann, der sie verkaufen will.  Später wird man mich fragen, warum ich nicht gehandelt habe. Vielleicht wäre der alte Mann mit dem Preis ein paar Euro heruntergegangen, für mich hätte es aber nicht einmal für einen Drink an der Bar des Hotels gereicht.

Diese Muschel hat jetzt einen besonderen Platz in meinem Zuhause. Später habe ich gelesen, dass nicht alle Muscheln aus Griechenland ausgeführt werden dürfen, da einige unter Naturschutz stehen. Ich hoffe, das meine nicht dazu gehört. Sie ist jedenfalls meine schönste Erinnerung an die Insel Kalymnos, die ich während des Aufenthaltes auf Kos auch besucht habe.


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