Lesen oder readen

erstellt am: 16.01.2013 | von: h.quadt | Kategorie(n): Allgemein, Lifestyle
lesen oder readen

Ich liege an einem Strand, und lausche den Wellen. Entspannung pur. Mal ganz in Ruhe ein Buch lesen, das hatte ich mir schon zu Hause vorgenommen. Viele Urlauber, die auch hier liegen, lesen ebenfalls. Was die wohl lesen? Das bringt mich dazu, genau hinzuschauen. Einige lesen in einem leicht abgenutzten Taschenbuch, andere aber nutzen zum Lesen einen eBook Reader. Vor einem Jahr noch habe ich mich gefragt, braucht man den. Kann man nicht das gute alte Buch in die Hand nehmen, mit den schönen Covern, dem Einband bzw. der Titelseite, die heute so wunderschön gestaltet wird. Auch Bücher müssen heute eine gute Performance haben. Es reicht nicht aus das man den Autor kennt und mehr von ihm lesen möchte. Ein guter Titel alleine verhilft nicht zum Kauf. Auch so ein Buch muss attraktiv sein und gut aussehen, damit man überhaupt anfängt, sich damit zu beschäftigen. Es in die Hand nimmt und mal kurz die Inhaltsbeschreibung liest.

Der Mensch ist ein Wesen, das  stark visuell ausgerichtet ist. Das was er sieht, erfährt oft stärkere Beachtung, als das was er hört. Genau deswegen fangen die digitalen Bücher, erst langsam, aber nun immer rasanter an, dem gedruckten Buch den Rang abzulaufen. Weil die digitalen Bücher heute genauso gut aussehen können, wie die gedruckten und zudem noch viel mehr Möglichkeiten offerieren. Es hängt natürlich vom jeweiligen Lesegerät ab das verwendet wird und ob man die Möglichkeiten ausschöpfen kann, sprich weiß wie es funktioniert. Aber die Zeit schreitet voran und es gibt es kein Zurück mehr. Für die nächste Generation ist das alles sowieso kein Thema mehr, eher eine Selbstverständlichkeit. Das gute alte Buch ist dann vielleicht Vintage, es wird en vogue, sich irgendwo hinzusetzen und in einem gedruckten Buch zu lesen.

Das digitale Buch hat für mich viele Vorteile. Ich  kann so viele Bücher mit in den Urlaub nehmen wie ich möchte, ich habe sie jederzeit zur Verfügung, ich muss auch nicht ständig mein Bücherregal aufräumen, und Bücher weggeben, weil ich keinen Platz mehr habe. Schüler müssten nicht länger schwere Taschen mit Schulbüchern tragen……..

An dieser Stelle habe ich abgebrochen und den Artikel nicht zu Ende geschrieben und somit auch nicht veröffentlicht. Letztendlich habe ich ihn einfach vergessen. Das war im September letzten Jahres. Heute morgen, wollte ich einen neuen Artikel anfangen, einen von mehreren, die ich schon längst schreiben wollte, es aber nicht geschafft habe, weil es zur Zeit so viele Aufgaben für mich gibt, die ich eigentlich erledigen müsste oder wollte. Niemand sagt das ich es tun muss.

Woher kommen diese vielen Aufgaben, auf einmal, die nicht nur mein, sondern das Leben vieler Menschen auf einmal so unübersichtlich machen und uns das Gefühl geben, alles nicht schaffen zu können, was wir so angefangen haben oder noch machen möchten. Die Zeit reicht nicht aus. Was wir machen, wollen wir ja auch gut machen. Der Anspruch ist hoch. Der eigene, an uns selbst, am höchsten.

Dann hört man so Worte wie, man muss Prioritäten setzten oder es muss nicht alles 100% perfekt. Weniger geht auch, Hauptsache erledigt. Hat es etwas damit zu tun, das man heute mit fortschreitender Technik im Computerzeitalter und digitalen Leben immer mehr Möglichkeiten hat, Dinge zu tun, die früher so nicht möglich waren und man auch gar nicht daran gedacht hätte sich damit zu beschäftigen.

Jeder kann heute einen Blog schreiben, so wie ich das gerade tue. Kann versuchen einen online Shop zu betreiben, so wie ich das gerade auch tue. „feines direkt“, ist jetzt Werbung in eigener Sache. Ich bekomme oft zu hören, ich bin zu zurückhaltend und  verkaufe mich schlecht. Da ist was dran. Gut, ich hatte vorher schon ein Geschäft in einer kleinen Stadt. Aber das funktionierte anders, ich  kannte die meisten meiner Kunden und konnte sofort auf sie eingehen. Im Onlineshop komme ich mir manchmal vor wie in einem schwarzen Loch, ab und zu wird mal jemand hineingesogen. Aber ansonsten ist das Universum riesengroß und es gibt viele schwarze Löcher.

Jeder kann heute ein Buch schreiben und sogar selber digitalisieren und veröffentlichen, ohne es aufwändig drucken zu lassen oder einen Verleger zu finden, der überhaupt Interesse hat. Daran habe ich auch schon gedacht. Bei allem was man heute so liest, verfällt man schnell der Idee, das man das eigentlich auch kann und sogar noch besser.  Die Fotografie hat es mir seit einiger Zeit ebenso angetan. Es ist ja so einfach, du bekommst zufällig eine gute Kamera in die Hand, stellst fest, dass du damit ganz passable Bilder machen kannst und hast innerhalb eines Jahres 25.000 Bilder. Bilder für den Blog, Produktbilder für den Onlineshop, wer kann sich schon einen professionellen Fotografen leisten. Das macht man natürlich selbst. Die müssen  dann selbstverständlich auch be-und verarbeitet werden. Von mir, einer Person, die sich erst seit anderthalb Jahren, ernsthaft mit PC , mobilen internetfähigen Telefonen, digitalen Medien und obendrein, sozialen Netzwerken, auseinander setzt. Mein Bilderprogramm hat mir schon die rote Karte gezeigt. Irgendwie ist da etwas durcheinander geraten und ich finde nur mit viel Mühe, das was ich suche. Man sagt mir, es wären mittlerweile zu viele Bilder und ich muss sie anders verwalten.

Viele Probleme sind natürlich auf mein noch computertechnisches Unvermögen zurückzuführen. Leider hat die Festplatte in meinem Gehirn, auch nur eine begrenzte Speicherkapazität und der Vorgang des Abspeicherns funktioniert immer noch sehr unzuverlässig. Ich arbeite daran, wie an so vielen anderen Sachen auch. Jetzt fragt manch einer: „Ja warum macht sie das denn Alles“. Kurze Antwort: „Nicht aus Langeweile“ sondern eher unter dem Gesichtspunkt der beruflichen Fort-und Weiterbildung. Und aus einem für mich sehr wichtigen weiteren Grund. Man kann sich der digitalen Entwicklung und den Veränderungen, die sie mit sich bringt, nicht verschließen. Es sei denn man will sich bewusst von der Gesellschaft ausschließen, ein wenig so, wie auf einer einsamen Insel leben oder im Wald. Das hat auch seinen Reiz, ich weiß das.

Aber ich hatte plötzlich das Gefühl, das ich noch nicht so alt bin, um zu sagen: „Ich will das nicht mehr, ich brauche das nicht, ich bin auch so ganz gut zurechtgekommen“. Ich wollte beruflich noch mal etwas bewegen und dachte, wenn ich mich jetzt nicht mit all diesen Dingen auseinander setze, die heute immer selbstverständlicher werden in unserem Leben, dann wird die Distanz immer größer und auf einmal lebe ich wie auf einer einsamen Insel, und fühle mich irgendwie abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft,  die immer schneller davon eilt. Die mir das Gefühl gibt hinter dem Mond zu leben. Ich höre manchmal, man muss nicht alles mitmachen und diese Veränderungen sind sowieso nicht gut, wo das noch hinführt. Fakt ist aber, die Welt und unser Leben hat sich schon immer verändert und weiterentwickelt. Diese Veränderungen haben den Menschen oft nicht gefallen, vor allen denjenigen  nicht, die nicht mehr so jung waren und sich auch verändern und in irgendeiner Weise anpassen mussten. Für die nächste Generation ist vieles schon Normalität, womit die Älteren noch hadern.

Für mich bedeutet das, meinen eigenen Weg zu finden in der neuen Welt, die mir so viele, neue Möglichkeiten bietet. Ich muss herausfinden und vor allen Dingen entscheiden, was für mich wichtig ist. Was brauche ich unbedingt, was muss ich tun, damit ich  weiterhin in dieser Welt leben und überleben kann und wie möchte ich leben und wie nicht. Aber eines weiß ich jetzt schon. Das ich weder den Überfluss an materiellen Dingen, noch den Überfluss an informellen und virtuellem Leben brauche, der mich weder bereichert, noch in irgendeiner Weise glücklich macht. Das Positive ist, ich habe jetzt sehr viel mehr Möglichkeiten, die ich früher so nicht hatte. Das Negative, ich habe aber auch sehr viel  mehr damit zu tun, Dinge zu sichten,  zu bewerten und viele Entscheidungen zu treffen, womit ich mich beschäftigen möchte und womit nicht.

Da kann es auch dann auch eine Wohltat sein, wenn man das gute alte Buch in die Hand nimmt, sich an einen ruhigen Ort zurückzieht, einfach nur liest, die Seiten umblättert, sich entspannt und nichts weiter. In der gerade vorüber gegangenen Weihnachtszeit, waren viele sicherlich auch froh noch ein Buch verschenken zu können. Denn man möchte ja doch noch etwas haben, das man schön einpacken und überreichen kann. Und ein Buch geht als Geschenk immer, auch wenn man nicht weiß, was und ob der Beschenkte gerne liest. Er kann es ja weiterverschenken, wenn es ihm nicht gefällt.Und wer möchte schon gerne einen Download Code für ein  Buch verschenken. Oder vielleicht doch….


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